Besinnung

 

Liebe Leserinnen und Leser,
Sommer, Sonne, Sonnenschein – so begegnet uns dieses Jahr die warme Jahreszeit
und manch einem wird es schon wieder zu viel. Von der Natur ganz zu
schweigen – im letzten Jahr litt sie bereits unter zu viel Sonne und zu wenig Regen.
Und doch: der Blick richtet sich vor allem auf das Schöne und Lebensfrohe.
Dies sollte nicht zu kurz kommen, selbst wenn unser Dasein stets ein Hin- und
Hergerissensein zwischen ganz unterschiedlichen Polen auszuhalten hat. Das
gehört dazu. Und ich denke, das birgt so manche Chance. Angefangen beim
Bewusstwerden der Angewiesenheit aufeinander bis hin zur Auf- und Bearbeitung
der jeweils eigenen Persönlichkeit: niemand braucht nach Schema F der
perfekte Mensch zu sein, identisch mit allen anderen, sondern ein jeder und
eine jede hat als gerade so gewolltes Geschöpf Gottes einen Anspruch auf ganz
individuelle Ecken und Kanten.
Wo diese vielleicht hinderlich werden, zum Beispiel im Zusammenwirken mit
anderen genauso individuell gestrickten Persönlichkeiten, besteht die Herausforderung,
sich über die Grenzen des eigenen Ego vorsichtig hinauszuwagen
und zu entdecken, wie gut ein Aufeinanderzugehen einem selbst doch auch tut.
Vor allem bei und erst recht nach bewältigten Konflikten miteinander. Vielleicht
kann das in unserer Kirche auch die Gelegenheit bieten, das eigene Licht mal
nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern hervorstrahlen zu lassen, Gaben
zu entdecken und dankbar in den Dienst unseres Herrn zu stellen. Nicht zuletzt
auch ganz konkret in diesem Jahr, wenn zum 1. Advent wieder Kirchenwahlen
anstehen und Mitbestimmung, aber erst recht Mitwirkung gefragt ist.
Als miteinander verbundene Glieder an dem einen Leib dürfen wir in ganz unterschiedlicher
Weise unser Inneres nach außen wirken lassen, weiter wachsen
und gedeihen, aber auch hin und wieder innehalten und in die Betrachtung
unseres geschöpflichen Daseins versinken. Dazu gehört auch der Blick nach
draußen, auf unsere Mitgeschöpfe und die Schöpfung selbst. Gerade jetzt im
Sommer: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“,
so wurde schon im 17. Jahrhundert von Paul Gerhardt dieses Zusammenspiel
zwischen Schöpfung und Geschöpf ge- und verdichtet. Das gibt uns heute noch
eine Richtung. Ich würde von meiner Seite aus einfach und kurz dazu sagen:
Machen Sie’s so. Und freuen Sie sich daran, wie Ihnen von Schöpfung und Geschöpfen
ein freudiges Strahlen entgegenleuchtet und Ihr Herz leicht macht.


Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit und grüße Sie ganz herzlich.

Ihr
Pfr. Ingo G. Walter