Besinnung

Liebe Groß- und Klein-Ingersheimer,

die biblischen Adventsgeschichten (Lukas 1) und Weihnachtsgeschichten (Lukas 2, Matthäus 2) sind wohlbekannt. Können wir davon noch neue Impulse erwarten? Ich selber bin diesmal beim Lesen dieser Geschichten hängen geblieben an dem Thema „Besuchen“: Der Engel Gabriel besucht Maria (Lk 1,28), Maria besucht Elisabeth (1,40), ein Engel besucht die Hirten (2,9), die Hirten besuchen Maria, Josef und das neugeborene Kind (2,16), und auch die Weisen aus dem Morgenland statten der jungen Familie einen Besuch ab (Mt 2,11). Auch die meisten von uns machen - gerade zu Weihnachten – Besuche und bekommen Besuch. Freilich: fast immer sind diese Besuche geplant. Man besucht nur, wenn man eingeladen ist, man bekommt nur Besuch, wenn man eingeladen hat. Demgegenüber sind die erwähnten Besuche in der Bibel allesamt ungeplant und überraschend. Der Engel Gabriel kommt unangemeldet, Maria überrascht Elisabeth, weder die Hirten noch die Weisen sind eingeladen worden in den Stall. Bei uns ist das mit dem Besuchen viel komplizierter: man muss eine Einladung aussprechen, einen Termin ausmachen und fühlt sich dann verpflichtet, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Das sind hohe Hürden. Diese Hürden führen dazu, dass viele, gerade ältere Leute, kaum noch Besuch bekommen oder Besuche machen. Viele sitzen einsam in ihren vier Wänden. Die Advents- und Weihnachtsgeschichten ermuntern uns, allen Bedenken zum Trotz („da komme ich bestimmt ungelegen“…) einfach mal wieder spontan und unangemeldet einen Besuch zu machen. Ich könnte bei der alleinstehenden Nachbarin mal klingeln oder bei dem lange nicht gesehenen Freund einfach mal spontan hereinschneien. Und manchmal schickt Gott ja einen Engel…


Gute Erfahrungen mit Überraschungsbesuchen nach biblischem Vorbild – das wünsche ich uns allen für die Advents- und Weihnachtszeit.


Pfarrerin Petra Frey