Evangelische Kirchengemeinde Großingersheim

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Besinnung

Liebe Leserin, lieber Leser

In diesem Jahr waren wir mit der Konfirmandenfreizeit in der alten Kaiserstadt Speyer. Es ist ja kaum bekannt, dass die Konfessionsbezeichnung „Protestanten“ aufs Engste mit dieser Stadt am Rhein bzw. mit dem dortigen Reichstag im Jahre 1529 zusammenhängt. Die Fürsten und Großen Deutschlands waren zusammengekommen, um die Angelegenheiten des Reiches zu besprechen. Auf diesem Reichstag sollte nun das „Wormser Edikt" von 1521 erneuert werden, das das evangelische Bekenntnis verboten hatte. Dagegen protestierten die evangelischen Fürsten mit der „Speyerer Protestation“ und verlangten für sich und ihre Herrschaftsgebiete die Freiheit zur Ausübung ihres evangelischen Bekenntnisses. Wegen dieses Protestes gegen die Beschränkung ihrer religiösen Freiheit kam es zu der Bezeichnung „Protestanten" als einem weithin mit dem Begriff „evangelisch“ bedeutungsgleichem Begriff.

Nun leben wir ja in einer Zeit vielfältiger Proteste. Das ist so in der arabischem Welt, das ist sozusagen vor unserer eigenen Haustür im Widerstand gegen Stuttgart 21, das sind die Proteste der Occupy-Bewegung gegen die Macht der Banken und Finanzmärkte. Nicht jeder Protest ist sinnvoll und angebracht, genauso wenig wie es die Ablehnung gegen jede Art von Protest ist. Als Christen sind wir nicht verpflichtet, uns auf die Seite der Mächtigen zu schlagen - genauso wenig wie wir dazu verpflichtet sind, denen Recht zu geben, die an den bestehenden Verhältnissen Kritik üben.
Auch hier muss das Paulus-Wort gelten: „Prüfet die Geister!“ Es gilt zu fragen, was einem friedlichen und besseren Zusammenleben der Men-schen dient: Die Dinge so zu lassen, wie sie eben sind, oder neue und andere Wege einzufordern und zu betreten.
Da ist von vornherein nicht ausgemacht, wer Recht hat, aber es gilt zu prüfen. Dazu sind wir als mündige Bürger/innen und Christen immer neu aufgefordert, ja sogar genötigt, so gern wir auch unsere Ruhe hätten und uns eben möglichst nur um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern würden. Aber unsere Angelegenheiten enden nicht an der eigenen Haustür, sondern unsere Angelegenheit ist es auch, wie wir als Kinder Gottes in dieser Welt und in diesem Land miteinander umgehen.

Ihr Michael Harr